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Kirchenbote, 18.02.2005

Von Christine Voss
«Mama, warum gibt es Krieg?»

Ausstellung – Der Krieg in Tschetschenien hat das Leben der Zivilbevölkerung über ein Jahrzehnt lang zutiefst erschüttert. Was er in den Seelen der Kinder angerichtet hat, zeigt eine Wanderausstellung mit Zeichnungen von Kindern und Jugendlichen.

Für die Menschen in Tschetschenien ist es wichtig, dass sie spüren: Die Welt nimmt unsere Not wahr, wir werden nicht einfach vergessen.» Dies betonte Elisabeth Petersen bei der Einführung in die Ausstellung «Was Krieg anrichtet», die Ende Januar im Kulturhaus Helferei in Zürich eröffnet wurde. Die in Zürich lebende Juristin gehört zu den wenigen Menschen aus dem Westen, die in das abgeriegelte Kriegsgebiet gereist sind und dort das Leiden der Bevölkerung aus erschütternder Nähe miterlebt haben. Seit Elisabeth Petersen vor drei Jahren zum ersten Mal in Tschetschenien war, widmen sie und ihr Mann sich der Aufgabe, die brutalen Unterdrückungsmethoden der russischen Armee und die unzähligen Menschenrechtsverletzungen in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Die leise Stimme der Kinder

Von einer ungewohnten Seite her wird das Kriegsgeschehen in der Ausstellung dokumentiert: Von ihren Reisen brachte Elisabeth Petersen Kinderzeichnungen mit, die sie beim Besuch von Schulen in den provisorisch eingerichteten Klassenzimmern entdeckt und in Absprache mit den Lehrern mitgenommen hatte. Die Bilder zeigen, wohl mehr als Worte, das Erleben der Kinder: die erschreckende Welt, die sich um sie herum ausbreitet, ausgefüllt mit Panzern, Bomben, Trümmern. Mehr als zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen, so Elisabeth Petersen, haben aufs Schlimmste verstümmelte Tote oder deren Körperteile gesehen. Viele sind als Opfer von Minen oder den überall herumliegenden Granaten selber verletzt worden. In den Bildern, so zeigt sich deutlich, versuchen sie das Erlebte zu verarbeiten. «Mama, warum gibt es Krieg?», ist als grosse Frage mitten in eine der Zeichnungen hineingeschrieben. «Ich hasse den Krieg», hat ein anderes Kind festgehalten.

Dennoch: Fast visionär tauchen in der Ausstellung auch Bilder von sonnendurchfluteten Landschaften, grünen Wiesen und blühenden Bäumen auf – ein Stück heile Welt, das offenbar in den Seelen der Kinder weiterlebt. Diese Hoffnung, dass das Menschliche nicht untergeht, ist in der Ausstellung, trotz allem, zu spüren. Sie ist damit nicht nur eine Dokumentation über den wenig wahrgenommenen Krieg in Tschetschenien, sondern auch ein Aufruf zum grundsätzlichen Nachdenken über Krieg und Frieden.

«Was Krieg anrichtet», bis 19. Februar im Kulturhaus Helferei, Kirchgasse 13, Zürich.

Auf Wunsch kann die Wanderausstellung auch von Kirchgemeinden übernommen werden. Weitere Informationen:
Forum für Zeitzeugen,
Telefon 01 362 17 65,
www.zeitzeugen.ch

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