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© Aargauer Zeitung /11.04.2006

Aarau

Schulen für Frieden im Land der Kriege

Aarau. Gast aus dem fernen Afghanistan zu Besuch beim Forum für Zeitzeugen.

Das Forum für Zeitzeugen in Aarau hatte zuletzt einen Gast aus Afghanistan. Der Paschtune Khazan Gul Tani, der heute als Stammesführer mit seiner grossen Familie in der Provinz Khost an der Grenze zu Pakistan lebt, studierte in den 60er-Jahren in Frankfurt am Main Mathematik und Physik. Seinem Wunsch, das Land durch Bildung zu ändern, ist er bis heute treu geblieben: mit Spenden aus Deutschland und der Schweiz baut er Schulen und bildet Lehrer in seiner Provinz aus.

In seinem Referat zeichnet er ein düsteres Bild der Entwicklung in seinem Land. Die Provinzen seien vernachlässigt, westliche Hilfe und die der Nichtregierungsorganisationen käme meist nur bis nach Kabul. Die grosse Arbeitslosigkeit zwinge die Menschen zum Anbau von Mohn und zum Abholzen ihrer Wälder. Eindringlich berichtete er von den Folgen der Kriege. Kein Land der Erde habe so viele Witwen, keines so viele verkrüppelte und verstümmelte Menschen.

Dennoch ist Khazan Gul Tani nicht hoffnungslos. Eine Zukunft für das Land gelinge nur mit der Bildung der Bevölkerung - auch der Mädchen. Insbesondere will er die berufliche Bildung fördern. Schulen seien die einzige Möglichkeit, um die Situation zu verändern, stellt er fest und verweist auf die rund 30 verschiedenen Sprachen, die in seiner Heimat gesprochen werden. «Wie soll Frieden herrschen, wenn die Menschen sich schon nicht verstehen?», fragte er rhetorisch. (ep)